Mit der EU-CSR-Richtlinie sind zahlreiche Unternehmen nun zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD Berichterstattung) verpflichtet. Die konkreten Anforderungen werden in Europäischen Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS) festgelegt. Der Standard ESRS 2 gibt die allgemeinen, themenübergreifenden Informationen vor, über die berichtet werden muss. Themen- und in Zukunft sektorspezifische Anforderungen sind in den jeweiligen themen- und in Zukunft sektorspezifischen Standards (z.B. ESRS E1 Klimawandel) enthalten. Welche Informationen aus diesen in die Nachhaltigkeitserklärung einfließen, muss das Unternehmen selbst festlegen.
Übersicht: themenspezifische CSRD Berichtspflichten
Der erste Satz („Set 1“) von ESRS wurde mit der VO (EU) 2023/2772 veröffentlicht. Darin enthalten sind fünf Standards, die sich mit Umweltaspekten befassen:
- ESRS E1 Klimawandel,
- ESRS E2 Umweltverschmutzung,
- ESRS E3 Wasser- und Meeresressourcen,
- ESRS E4 Biologische Vielfalt und Ökosysteme,
- ESRS E5 Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft.
Nach dem Standard ESRS 1 „Allgemeine Anforderungen“ ist über die in themenspezifischen Standards behandelten Nachhaltigkeitsaspekte auf Grundlage einer „doppelten Wesentlichkeitsbewertung“ zu berichten. „Doppelte Wesentlichkeitsbewertung“ bedeutet dabei, dass bei der Bewertung der Wesentlichkeit eines Nachhaltigkeitsaspekts – im Fall der o.g. Standards eines Umweltaspekts – sowohl die Auswirkungen des berichterstattenden Unternehmens (einschließlich seiner vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette) auf den Nachhaltigkeitsaspekt (im Fall des ESRS E1 also auf den Klimawandel) als auch die Auswirkungen des Nachhaltigkeitsaspekts auf die finanzielle Lage des Unternehmens betrachtet werden müssen. Bei der Betrachtung der Auswirkungen des Unternehmens auf den Nachhaltigkeitsaspekt spricht man auch von der „Inside-Out-Perspektive“. Bei der Betrachtung der Auswirkungen das Nachhaltigkeitsaspekts auf die finanzielle Lage von der „Outside-In-Perspektive“.
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Wesentlichkeitsbewertung in Ihrer CSRD Berichterstattung
Werden die Auswirkungen bei mindestens einer der beiden Perspektiven als wesentlich bewertet, gilt der Nachhaltigkeitsaspekt als wesentlich. Und das bedeutet, dass die Anforderungen der zugehörigen Berichtserstattungsstandards bei der Erstellung der Nachhaltigkeitserklärung zu berücksichtigen sind. Die themenspezifischen Standards enthalten durchnummerierte Angabepflichten, die sich wiederum aus Datenpunkten zusammenzusetzen. Welche Angabepflichten/Datenpunkte über die verbindlichen Angabepflichten zu Strategie, Zielen und Maßnahmen (Art. 33 ESRS 1) hinaus dann für das Verständnis der Auswirkungen des Unternehmens auf das Thema sowie der Risiken und Chancen für die finanzielle Lage des Unternehmens durch das Thema relevant sind, unterliegt einer Bewertung durch die Organisation.
In die Nachhaltigkeitserklärung müssen generell nur die Informationen eingehen, die für dieses Verständnis wesentlich sind (Art. 31 ESRS 1). Auch das Verfahren zur Ermittlung der Wesentlichkeit von Informationen muss in der Nachhaltigkeitserklärung erläutert werden (Angabepflicht IRO-2 aus ESRS 2, siehe Art. 59). Mit einem Nachhaltigkeitsaspekt, der in einem themenspezifischen ESRS behandelt wird, muss man sich also im Rahmen der Erstellung einer Nachhaltigkeitserklärung in jedem Fall beschäftigen:
- Um die Wesentlichkeit eines Nachhaltigkeitsaspekts bewerten zu können, muss man die Auswirkungen des Unternehmens auf diesen Aspekt sowie die Risiken und Chancen für die finanzielle Lage, die sich aus diesem Aspekt ergeben können, ermitteln, verstehen und bewerten.
- Wird der Nachhaltigkeitsaspekt als wesentlich bewertet, muss man die Wesentlichkeit der Informationen, die im zugehörigen ESRS als Angabepflicht/Datenpunkt aufgeführt sind, bewerten.
- Wird die Information als wesentlich für das Verständnis der Auswirkungen, Risiken und Chancen eingeschätzt, muss man sich überlegen, wie sie in der Nachhaltigkeitserklärung dargestellt werden soll.
Klimawandel
Nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts der französische Mathematiker Jean Baptiste Fourier vermutet hatte, dass Bestandteile der Luft ähnlich der Glasscheiben eines Treibhauses Wärme auf der Erde zurückhalten und der irische Physiker John Tyndall Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt hatte, dass Kohlendioxid der für diesen „Treibhauseffekt“ entscheidende Bestandteil der Luft war, fragte sich Ende des 19. Jahrhundert der schwedische Chemiker (und spätere Nobelpreisträger) Svante Arrhenius, ob nicht das bei der Verbrennung von Kohle freigesetzte Kohlendioxid zu einer Erhöhung der Erdtemperatur führen müsste. Er bat den Geologen Arvid Högbohm um eine Untersuchung der Frage. Högbohm gab Entwarnung: Der Einfluss des Menschen erhöhe den Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre lediglich um ein Tausendstel pro Jahr. Eine Verdoppelung des Gehalts sei dabei erst in 1000 Jahren zu erwarten. (Die spätere exponentielle Steigerung der Kohleverbrennung sah er nicht voraus.)
Umstritten war zudem, ob das freigesetzte Kohlendioxid überhaupt in der Atmosphäre verblieb oder von den Meeren aufgenommen wird. Die Frage war mangels Messungen lange nicht zu beantworten – bis der amerikanische Chemiker Charles Keeling ein Messgerät auf dem Mauna Loa auf Hawaii (fernab von allen Industrieanlagen) installierte. Die als „Keeling-Kurve“ bekanntgewordenen Messergebnisse zeigten, dass der Gehalt an Kohlendioxid in der Atmosphäre ständig ansteigt. Und zwar viel stärker als von Högbohm angenommen, der das schnelle Wachstum des Energieverbrauchs nicht vorhergesehen hatte.
Ende der 1970er Jahre warnte als erste große Wissenschaftsorganisation die National Academy of Science der USA vor einer dadurch ausgelösten globalen Erwärmung. Die Weltmeteorologieorganisation (WMO) veranstaltete eine erste Weltklimakonferenz. Auch in Deutschland kam das Thema an. 1987 richtete die Bundesregierung einen wissenschaftlichen Klimabeirat ein und der Bundestag eine Enquête-Kommission „Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre”.
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Sachstandsbericht des IPCC
1988, in dem bis dahin wärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, riefen die Vereinten Nationen und die WMO das „Intergovernmental Panel on Climate Change“, abgekürzt IPCC, ins Leben. Dieser sollte regelmäßig in einem „Sachstandsbericht“ den wissenschaftlichen Kenntnisstand über den Klimawandel zusammenfassen. Sein erster Bericht, der die verschiedenen Studien zum Thema in der Fachliteratur zusammenfasste und bewertete, erschien 1990. Dieser war ein Weckruf: 1992 einigten sich auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro 166 Länder der Welt auf ein gemeinsames Klimaschutzziel.
Sie verabschiedeten die UN-Klimarahmenkonvention; seit 1994 ist sie in Kraft. In Artikel 2 wurde als Ziel vereinbart, „die Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird.” Im aktuellen, sechsten Sachstandsbericht wird der Stand der Forschung u.a. wie folgt dargestellt:
- „Menschliche Aktivitäten haben eindeutig die globale Erwärmung verursacht, vor allem durch die Emission von Treibhausgasen.“
- „Der vom Menschen verursachte Klimawandel wirkt sich bereits auf viele Wetter- und Klimaextreme in allen Regionen der Welt aus. Dies hat zu weitverbreiteten nachteiligen Folgen und damit verbundenen Verlusten und Schäden für Mensch und Natur geführt.“
- „Anhaltende Treibhausgasemissionen werden zu einer zunehmenden globalen Erwärmung führen, …“,
- „die projizierten langfristigen Folgen sind um ein Vielfaches höher als derzeit beobachtet.“
- „Die Wahrscheinlichkeit abrupter und/oder irreversibler Veränderungen steigt mit höherem globalen Erwärmungsniveaus.“
- „Der Klimawandel ist eine Bedrohung für das menschliche Wohlergehen und die planetare Gesundheit.“
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Folgen
Der von Bericht zu Bericht immer eindeutiger werdende Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel hatte politische Folgen. 2015 wurde (als Nachfolger des Kyoto-Protokolls von 1997, dass die Industriestaaten zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen verpflichtete) das Pariser Übereinkommen beschlossen. Ziel ist es, die Erderwärmung „auf deutlich unter 2 °C, möglichst auf 1,5 °C“ zu begrenzen.
Dazu legen die (194) Vertragsparteien „Nationally Determined Contributions“ (NDCs) vor, die nationale Beiträge zu diesem Ziel und die festgelegten Maßnahmen beschreiben. Diese NDCs sollen regelmäßig daraufhin überprüft werden, ob sie ausreichen, das Ziel des Pariser Übereinkommens zu erreichen. Die aktuellen NDC der EU (als Vertragspartei) lauten: Verringerung der Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 1990 um mind. 55 Prozent. Dieses Ziel wurde 2021 mit dem „Europäischen Klimagesetz“ (VO (EU) 2021/1119) zur verbindlichen Vorgabe für die Mitgliedsstaaten. Deutschland hat sich mit dem (2021 geänderten) Klimaschutzgesetz zu einer Verringerung um mind. 65 Prozent bis 2030 verpflichtet. Europa hat sich zudem zur Netto-Treibhausgasneutralität bis 2050 verpflichtet und will der erste klimaneutrale Kontinent der Erde werden; Deutschland hat sich mit dem Klimaschutzgesetz zur Netto-Treibhausgasneutralität bis 2045 verpflichtet.
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Die Rolle der Unternehmen
In Deutschland wurden 2023 (ohne Berücksichtigung der Emissionen aus Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft, die unsicherer sind und auf ca. 4 Mio. Tonnen geschätzt werden) 674 Mio. Tonnen Treibhausgase emittiert, davon hatte (berechnet in Kohlendioxid-Äquivalenten, die unterschiedliche Klimawirksamkeit der Treibhausgase ist also bereits berücksichtigt) Kohlendioxid einen Anteil von 88,7 Prozent. Der Anteil von Energiewirtschaft und Industrie beträgt mit 360 Mio. Tonnen deutlich mehr als die Hälfte an den gesamten Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen), damit wird der Klimawandel maßgeblich durch industrielle Prozesse und das Handeln von Unternehmen verursacht. Bei der Betrachtung der Auswirkungen des Unternehmens sind daher von allem die THG-Emissionen und seiner vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette in den Blick zu nehmen.
Umgekehrt können die Folgen des Klimawandels auch Auswirkungen auf die finanzielle Lage des Unternehmens haben. Risiken und Chancen können dabei auf physische Risiken (etwa: der Standort eines Zulieferers wird bei einem Hochwasser überschwemmt, fehlende Teile führen zum Produktionsstop) oder auf die gesellschaftliche Reaktion auf den Klimawandel zurückgehen (etwa: der Gesetzgeber schränkt den Vertrieb bestimmter Produkte ein oder die Marktnachfrage sinkt; Fördermittel sind dann verfügbar oder die Marktnachfrage nach klimafreundlichen Produkten steigt).
Klimawandel & CSRD Berichterstattung - Zwischenfazit
Bis jetzt haben wir uns einen Überblick über die themenspezifischen Berichtspflichten im Rahmen der EU-CSR-Richtlinie verschafft. Zudem konnten wir den Hintergrund der im Umweltstandard E1 verankerten Berichtspflicht über die Auswirkungen des Unternehmens auf den Klimawandel und des Klimawandels auf das Unternehmen darstellen. Nun beginnen wir, uns mit den Angabepflichten und Datenpunkten aus diesem Standard zu beschäftigen.
Wie wir bisher gesehen haben, tragen Unternehmen maßgeblich zum Klimawandel bei und können auch unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden. Ob das für das jeweils zur Berichterstattung verpflichtete Unternehmen auch gilt, wird im Rahmen der doppelten Wesentlichkeitsbewertung ermittelt. Werden dabei die Auswirkungen des Unternehmens auf den Klimawandel oder die Auswirkungen des Klimawandels auf das Unternehmen als wesentlich bewertet, muss das Unternehmen in seiner Nachhaltigkeitserklärung über den Nachhaltigkeitsaspekt Klimaschutz berichten und dabei die Anforderungen des ESRS E1 erfüllen.
Aufbau der themenspezifischen ESRS
Der Aufbau der themenspezifischen ESRS ist dabei immer gleich: sie sind gegliedert in:
- Ziel (erläutert den Beitrag der geforderten Angaben zum Verständnis der Nachhaltigkeit eines Unternehmens),
- Zusammenspiel mit anderen ESRS (erläutert Abgrenzungsfragen: so wird im ESRS E1 dargestellt, dass der mit dem Klimawandel verbundene Verlust an biologischer Vielfalt und die Schädigung von Ökosystemen im Umweltstandard E4 behandelt wird),
- Angabepflichten (enthalten die in die Nachhaltigkeitserklärung aufzunehmenden Informationen, gegliedert nach Angabepflichten zur Unternehmensführung (Goverance), zur Strategie, zum Management der Auswirkungen, Risiken und Chancen, zu Parametern und Zielen).
- Anlage mit Anwendungsanforderungen, die bei der Berichterstattung zu beachten sind.
Die einzelnen Angabepflichten sind nummeriert und enthalten Datenpunkte, die in der Nachhaltigkeitserklärung zu berücksichtigen sind. Dabei werden die Datenpunkte unterschiedlich behandelt: Beziehen diese sich auf Strategien, Ziele oder Maßnahmen, müssen die entsprechenden Angaben einschließlich der Angaben, die in ESRS 2 Anlage C aufgeführt sind, gemacht werden (ESRS 1 Abs. 33). Kann ein Unternehmen die Angaben nicht machen, weil es Strategien und Ziele nicht festgelegt und keine Maßnahmen umgesetzt hat, muss es dieses angeben. Zudem kann es einen Zeitrahmen angeben, bis zu dem dies erfolgen soll („kann“, also keine Verpflichtung).
Für alle anderen Angabepflichten/Datenpunkte (also die „Parameter“) ist eine Angabe hingegen nur dann erforderlich, wenn die Informationen wesentlich für das Verständnis der Auswirkungen, Risiken und Chancen des Unternehmens in Bezug auf die Nachhaltigkeitsaspekte bzw. für die Entscheidungsfindung der Nutzer der Nachhaltigkeitserklärung sind (vgl. ESRS 1 Abs. 31). Hieraus ergibt sich die Folgerung, dass für diese Informationen eine zweite Wesentlichkeitsanalyse, diesmal bezüglich der Wesentlichkeit der Informationen, durchzuführen ist. Wird aufgrund dieser Bewertung über Datenpunkte nicht berichtet, die sich aus anderen EU-Rechtsvorschriften ergeben (aufgeführt in ESRS 2 Anlage B), muss ausdrücklich erklärt werden, dass dieser Datenpunkt „nicht wesentlich“ ist (ESRS 1 Abs. 35).
Gliederung ESRS E1 Klimawandel
Der Umweltstandard ESRS E1 adressiert das Thema „Klimawandel“ und seine beiden Seiten, nämlich Klimaschutz (laut Glossar „Verringerung der Treibhausgasemissionen …“) und Anpassung an den Klimawandel („Anpassung an den tatsächlichen und erwarteten Klimawandel und dessen Auswirkunge“). Beide werden als Unterthema betrachtet. Als drittes Unterthema kommt „Energie“ (Energieeffizienz, Einsatz erneuerbarer Energien), da energiebedingte Treibhausgasemissionen der mit Abstand wichtigste Treiber des Klimawandels sind. Zu allen drei Unterthemen gibt es dementsprechend Angabepflichten.
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Immer erforderliche Informationen in Ihrer CSRD Berichterstattung
ESRS 2 Anlage C führt folgende Angabepflichten im Zusammenhang mit den Allgemeinen Angabepflichten des ESRS 2 bezüglich des ESRS E1 auf:
GOV-3 - Einbeziehung der nachhaltigkeitsbezogenen Leistung in Anreizsysteme
Unternehmen müssen gemäß GOV-3 offenlegen, inwieweit die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Führungskräfte und Mitarbeiter Teil ihrer Vergütung und Leistungsbewertung ist. Das bedeutet, dass Unternehmen darlegen müssen, ob und wie Nachhaltigkeitsziele in die Anreizsysteme integriert sind. Nach Abs. 13 müssen folgende Informationen angegeben werden:
- Angabe, ob und wenn ja, wie klimabezogene Erwägungen in die Vergütung der Mitglieder der Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorgane einbezogen werden,
- Prozentsatz der für den laufenden Zeitraum anerkannten Vergütung, der mit klimabezogenen Erwägungen verknüpft ist,
- Erläuterung der klimabezogenen Erwägungen.
SBM-3 - Wesentliche Auswirkungen, Risiken und Chancen und ihr Zusammenspiel mit Strategie und Geschäftsmodell
Die Abkürzung SBM-3 steht im Kontext der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards (ESRS) für einen spezifischen Bereich, der sich mit den wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen eines Unternehmens befasst. Nach Abs. 18 und 19 müssen folgende Informationen angegeben werden:
- Darstellung für jedes ermittelte wesentliche klimabezogene Risiko, ob es ein physisches Risiko oder ein Übergangsrisiko ist,
- Umfang der Resilienzanalyse (dabei ist die Anwendungsanforderung AR 6 zu berücksichtigen),
- Angabe, wie die Resilienzanalyse durchgeführt wurde (AR 7 berücksichtigen),
- Angabe, wann die Resilienzanalyse durchgeführt wurde,
- Ergebnis der Resilienzanalyse (AR 8 berücksichtigen)
IRO-1 - Beschreibung der Verfahren zur Ermittlung und Bewertung der wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen
IRO steht für Impacts, Risks and Opportunities (Auswirkungen, Risiken und Chancen). IRO-1 spezifiziert die Anforderungen an die Beschreibung der Prozesse, die ein Unternehmen zur Identifizierung und Bewertung dieser drei Aspekte einsetzt. Abs. 20 und 21 fordern folgende Informationen:
- Verfahren zur Ermittlung der Auswirkungen, insb. zur Ermittlung der Treibhausgasemissionen (<-> ESRS E1-6; AR 9 und 10 berücksichtigen),
- Verfahren zur Ermittlung der physischen Risiken im Betrieb und innerhalb der Wertschöpfungskette (AR 11 berücksichtigen),
- Vorgehen zur Ermittlung der Übergangsrisiken und Chancen im Betrieb und innerhalb der Wertschöpfungskette (AR 12 berücksichtigen),
- Erläuterung, wie bei der Ermittlung der Risiken die klimabezogene Szenarioanalyse verwendet wurde (AR 13 bis 15 berücksichtigen: Angabe, welche Szenarien verwendet wurden, der wichtigsten in den Szenarien berücksichtigten Triebkräfte, Detailtreue der Szenarien, …).
Angabepflichten E1-1 bis E1-4
Weiterhin müssen – da zu „Strategie“ bzw. „Ziele“ gehörig – die Angabepflichten E1-1 bis E1-4 vollständig in die Erklärung aufgenommen werden. Angabepflicht E1-1 verpflichtet zur Information über den Übergangsplan des Unternehmens für den Klimaschutz. Unter dem Übergangsplan sind laut dem Glossar die Ziele, Maßnahmen und Mittel des Unternehmens für seinen Übergang zu einer CO₂-armen Wirtschaft zu verstehen (einschließlich der Reduktion von Treibhausgasemissionen im Hinblick auf das 1,5°C-Ziel). Beachtung AR-1, Datenpunkte (u.a.):
- Erläuterung, wie die THG-Emissionsreduktionsziele (<-> E1-4) mit dem 1,5 °C-Ziel vereinbar sind (AR 2 berücksichtigen: solange keine öffentlichen sektorspezifischen Strategien festgelegt sind, werden hierzu die Emissionsziele des Unternehmens mit Szenarien für die gesamte Wirtschaft [Anm.: in Deutschland z.B. im Klimaschutzgesetz zu finden] verglichen, d.h. die staatlichen Emissionsreduktionsziele auf die Unternehmensebene übertragen),
- Erläuterung der ermittelten Dekarbonisierungshebel (Kategorisierung von Maßnahmen zum Klimaschutz, wie Nutzung erneuerbarer Energien) und der wichtigsten geplanten Maßnahmen,
- Erläuterung und Quantifizierung der Investitionen und Finanzmittel zur Unterstützung des Übergangsplans (unter Bezugnahme auf taxonomiekonforme CapEx (Capital Expenditures bzw. Kapitalausgaben) und ggf. CapEx-Pläne nach VO (EU) 2021/2178),
- Bewertung potenziell eingeschlossener Treibhausgasemissionen im Zusammenhang mit den wichtigsten Vermögenswerten und Produkten des Unternehmens,
- ...
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Angabepflicht E1-2
Angabepflicht E1-2 verpflichtet zur Angabe der Strategien, mit denen ein Unternehmen seine wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen angehen will. Datenpunkte u.a.:
- ESRS E1 Abs. 24 verweist auf die Mindestangabepflichten ESRS 2 MDR-P: Anwendungsbereich der Strategie (u.a. in Bezug auf Aktivitäten und Wertschöpfungskette), Beschreibung der wichtigsten Inhalte der Strategie und des Überwachungsprozesses, für die Strategie verantwortliche oberste Ebene der Organisation, Angabe von Standards, zu deren Einhaltung sich die Organisation ggf. verpflichtet hat, ggf. Darstellung der Berücksichtigung der Interessen der wichtigsten Interessenträger, …
- Angabe, inwieweit Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Energieeffizienz, Einsatz erneuerbarer Energien und sonstige Bereiche in der Strategie berücksichtigt werden. „Sonstige Bereiche“ könnten z.B. andere Elemente der Strategie sein, die den Klimawandel indirekt betreffen. Zu beachten sind die Anwendungsanforderungen AR 16 bis 18: So müssen die Strategien zum Klimaschutz das Management der Treibhausgas-Emissionen, den Abbau von Treibhausgasen und die Übergangsrisiken über verschiedene Zeithorizonte umfassen, die Anpassungsstrategien die physischen Risiken und die mit der Anpassung verbundenen Übergangsrisiken adressieren. Berichtet werden muss nicht nur über eigenständige Strategien, sondern auch über andere Strategien, die indirekt die Anpassung an den Klimawandel unterstützen, z.B. Notfallstrategien.
Angabepflicht E1-3 zum Klimawandel
Angabepflicht E1-3 umfasst die Maßnahmen und Mittel im Zusammenhang mit den Klimastrategien. Datenpunkte u.a.:
- Abs. 28 verweist auf die Mindestangabepflichten ESRS 2 MDR-A: Liste der wichtigsten im Berichtsjahr ergriffenen und für die Zukunft geplanten Maßnahmen und ihre erwarteten Ergebnisse; Umfang der Maßnahmen in Bezug auf Aktivitäten, Geografie und Wertschöpfungskette; Zeithorizont, in dem die wichtigsten Maßnahmen abgeschlossen sein sollen; ggf. Fortschritte bei in früheren Berichtszeiträumen angegebenen Maßnahmen,
- dabei müssen Klimaschutzmaßnahmen einschließlich naturbasierter Lösungen, die erzielte oder erwartete Reduktion der Treibhausgasemissionen und ggf. Angaben zu erheblichen CapEx und OpEx zur Durchführung der Maßnahmen erläutert werden.
Dabei ist nach AR 21 zu erläutern, inwieweit die Fähigkeit zur Durchführung der Maßnahmen von der Verfügbarkeit von Finanzmitteln abhängt. Nach AR 20 und 22 müssen die CapEx und OpEx-Angaben nicht mit dem Jahresabschuss übereinstimmen, da nur über erhebliche Beträge berichtet wird (Ziel ist es, die Glaubwürdigkeit der Angaben zu belegen), aber mit den wichtigsten CapEx und OpEx-Leistungsindikatoren (Kennzahlen nach EU-Taxonomie-VO) in Einklang stehen. Dazu kann das Unternehmen seine Tätigkeiten nach Wirtschaftstätigkeiten entsprechend der EU-Taxonomie-VO strukturieren, etwaige Differenzen (z.B. aufgrund nicht taxonomiefähiger Aktivitäten) bedürfen einer Erläuterung.
Angabepflicht E1-4
Angabepflicht E1-4 fordert die Angabe der Ziele im Zusammenhang mit Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel. Datenpunkte u.a.:
- Abs. 32 verweist auf die Mindestangabepflichten ESRS 2 MDR-T: Beschreibung des Verhältnisses zwischen Strategie und Ziel, Umfang des Ziels (Tätigkeiten, ggf. Wertschöpfungskette, …), festgelegtes Zielniveau und Zeitraum, für den das Ziel gilt, Bezugsjahr und Bezugswert, Angabe, ob das Ziel auf schlüssigen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, …
- Anzugeben ist, ob das Unternehmen Treibhausgas (THG)-Emissionsreduktionsziele festgelegt hat,
- Wenn das Unternehmen Treibhausgas-Emissionsreduktionsziele festgelegt hat: Angabe der THG-Emissionsziele in den Kategorien Scope 1, 2 und 3 in absoluten Werten oder als Prozentsatz der Emissionen des Bezugsjahrs (ggf. zusätzlich als Intensitätswert); Zielwerte für das Jahr 2030 und, wenn verfügbar, für das Jahr 2050 (ab 2030 sind Zielwerte für jeden Fünfjahreszeitraum bis 2050 erforderlich); Angabe, ob die Ziele mit der Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C vereinbar sind; Beschreibung der erwarteten Dekarbonisierungshebel, …
Informationen, die im Fall ihrer Wesentlichkeit anzugeben sind
Die Angabepflichten E1-5 bis E1-9 betreffen Parameter, die Angabepflichten bzw. einzelne Datenpunkte werden auf Grundlage der Wesentlichkeit der Information in die Nachhaltigkeitserklärung aufgenommen. Zwischen der doppelten Wesentlichkeitsbewertung und der Bewertung der Wesentlichkeit von Informationen gibt es logische Zusammenhänge: Ein Unternehmen, das den Klimawandel aufgrund seiner großen Auswirkungen auf den Klimawandel als wesentlichen Nachhaltigkeitsaspekt bewertet hat, wird kaum plausibel begründen können, warum Informationen über seine THG-Emissionen nicht wesentlich für das Verständnis der Nachhaltigkeitserklärung sein sollten.
Einzelne Datenpunkte können aber ggf. als nicht wesentlich bewertet werden. Wenn aber ein Unternehmen stattdessen den Klimawandel als wesentlichen Nachhaltigkeitsaspekt bewertet hat, weil es große finanzielle Auswirkungen z.B. aufgrund von Übergangsrisiken auf sich zukommen sieht, aber auch in seiner Wertschöpfungskette kaum Auswirkungen auf den Klimawandel hat, kann es zu dem nachvollziehbaren Schluss kommen, dass die ganze Angabepflicht E1-6 keine wesentlichen Informationen enthält und auf eine Berichterstattung über seine THG-Bruttoemissionen verzichten. Die Angabepflicht E1-9 dürfte dann im Gegenzug unverzichtbar sein. Für die Bestimmung der Wesentlichkeit von Informationen wird in ESRS 1 Abs. 36 die Festlegung von Kriterien gefordert: Neben der bereits dargestellten Bedeutung für das Verständnis der wesentlichen Auswirkungen, Risiken sowie Chancen und der Bedeutung für die Entscheidungsfindung der Nutzer der Nachhaltigkeitserklärung könnte ein weiteres Kriterium die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen und im Zeitverlauf sein, vgl. ESRS 1 AR 4.
Im Einzelnen geht es um folgende Informationen:
- E1-5 Energieverbrauch und Energiemix
(umfasst Angaben zum Gesamtenergieverbrauch, aufgeschlüsselt nach Verbrauch aus fossilen, nuklearen und erneuerbaren Quellen [diese weiter untergliedert nach Brennstoffverbrauch, erworbene und selbst erzeugte erneuerbare Energie] und zur Energieintensität in klimaintensiven Sektoren (die in Anhang I Abschnitte A bis H und L VO (EG) 1893/2006) aufgeführt sind; Anwendungshinweise AR 32 bis 38. - E1-6 THG-Bruttoemissionen der Kategorien Scope 1 (mit Nennung des prozentualen Anteils, der regulierten Emissionshandelssystemen unterliegt), 2 und 3 sowie THG-Gesamtemissionen (Übergangsregelung: Angaben zu Scope-3-Emissionen können im ersten Jahr der Anwendung von Unternehmen bis 750 Mitarbeitern weggelassen werden),
- E1-7 Abbau von Treibhausgasen und Projekte zur Verringerung von Treibhausgasen, finanziert über CO2-Gutschriften
(Informationen sollen transparent machen, inwieweit das Unternehmen in den Abbau von Treibhausgasen oder in Projekte zur Verringerung von THG investiert, aber auch Umfang und Qualität verwendeter CO2-Gutschriften [übertrag- und handelbarer Instrumente für eine Tonne CO2-Reduktion oder Entnahmen] zu verstehen), - E1-8 Interne CO2-Bepreisung,
- E1-9 Erwartete finanzielle Auswirkungen wesentlicher physischer Risiken und Übergangsrisiken sowie potenzielle klimabezogene Chancen (Übergangsregelung: im ersten Jahr der Anwendung freiwillig, in den ersten drei Jahren nur qualitative Angaben erforderlich).
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